Montag, 15. Oktober 2018

Färbepflanzen

Fast jede Pflanze hat färbende Eigenschaften. Traditionelle Färbepflanzen färben kräftig und sind ähnlich licht- und waschecht wie synthetische Färbungen. Unter guten Bedingungen halten sie solange wie das gefärbte Textil.
    Farben mit sehr guter Haltbarkeit werden aus Reseda, Krapp, Indigo und Gerber-Akazie (Catechu, vor allem mit Kupfersalz) sowie aus Insekten wie Lac, Cochenille und Kermes gewonnen – mit guter Haltbarkeit aus Färberginster, Walnuss, Gallapfel (mit Eisensalz), Rabarberwurzeln, Dreiblättriger Salbei, Mönchspfeffer, Kreuzdorn, Javanisches Gelbholz – traditionelle, aber weniger lichtechte Färbepflanzen sind Färberkamille, Goldrute, Birke, Granatapfel, Morinda, Henna (mit Kupfersalz), Osagedorn, Brasilholz, Blauholz, Faulbaumrinde, Eichenrinde.

Aus essbaren Pflanzen, Blüten und Pflanzenfrüchten können eher keine dauerhaften Textilfärbungen entstehen. Sie werden zum Färben von Lebensmitteln verwendet.
    Küchenzwiebeln, Kurkuma, Sandelholz, Saflor, Brennnessel, Avocadoschalen, Schwarztee, Löwenzahnblätter, Annattosamen, Heidelbeeren, schwarze Bohnen, Karrottengrün, Ligusterblätter, Rotkohl, Holunder, Attich, Frauenmantel, Thymian-Gewächse, Salbei, Rosmarin.

Paula-Wessely-Weg

Berberitzen
Kernholz und Wurzel
Farbe: Gelb
Farbstoff: Berberin (fluoresziert unter UV-Licht)
Das getrocknete Pflanzenmaterial wird drei Tage lang in Wasser gelegt. Nach kurzem Aufkochen wird Wolle bei 80°C eine Stunde lang gefärbt. Bei mit Alaun vorgebeizter Wolle erhält man braungelbe Färbungen. Mit dem Saft der frischen Beeren lässt sich vorgebeizte Wolle dagegen rot färben.

Brennnessel
junge Blätter, Wurzel
Farbe: Graugrün
Farbstoff: Flavanoide, eisenhaltig
Wolle kann man mit der Wurzel, nach Vorbeizen mit Alaun, wachsgelb färben. Mit einer Zinnvorbeize, Kupfernachbeize und einem Ammoniak-Entwicklungsbad erzielen die oberirdischen Teile ein kräftiges Graugrün. Man benötigt etwa 600 Gramm Brennnessel pro 100 Gramm Wolle; der Farbton ist vom Zeitpunkt des Pflückens und Färbens abhängig.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Nesseltuch verstärkt in Deutschland für Armee-Bekleidung verwendet.

Birke
Blätter und Rinde
Farbe: Gelb
Farbstoff: Flavonoide (Luteolin)
Beizenfarbstoff – Färbegut muss vorgebeizt werden
    Am besten eignen sich frische Birkenblätter, die im Juni geerntet werden. 100% mit kochendem Wasser überbrühen, über Nacht ansetzen. 30–45 Min. vorsieden, abseihen, die Flotte strecken. Fasern im Sud 45 Min. bei 80–90 Grad färben, 8 – 24 Stunden nachziehen. Für ein frisches Gelb mit Alaun vorbeizen und eher kürzer sieden. Je länger die Blätter sieden, umso bräunlicher wird das Gelb. 

Löwenzahn
Blüten und Blätter
Farbe: Gelb
Farbstoff: ?
Beizenfarbstoff (Alaun), besser auf Proteinfaser
    100 bis 1000% Blüten für 30 Min. köcheln, abseihen, die Flotte strecken. Bei Blüten Fasern im Sud einmal kurz auf Siedepunkt bringen, dann Hitze reduzieren und für min. 60 Min. heiss halten, nachziehen. | Oder 100% Blüten und Blättern gemeinsam für 1 Stunde sieden, danach kann heiß, kalt oder als Kontaktfärbung gefärbt werden. Blätter produzieren ein grünliches Gelb.

Holunder und Attich
Beeren, Blätter (grünliches Braun mit Eisen)
Farbe: Violett bis Blaugrün
Farbstoffe: Anthocyane
Farbsud aus ausgekochtem Holundertrester und Zitronensäure für Violett. Attich färbt besser, enthält Blausäure und ist giftig. 

Im alten Rom wurden laut Plinius der Ältere die Kleider von Sklaven mit Blaubeeren gefärbt.

Walnuss
frische und getrocknete Fruchtschalen (Juni, gräulich Braun, Herbst, rötlich Braun, jeweils mit Alaun und Eisen) und Blätter (Frühling bis Herbst, Goldgelb mit Alaun)
Farbe: Braun, sehr lichtecht, oder Gelb
Farbstoff: Juglon (Anthrochinon, Fruchtschalen), Flavanoide (Blätter)

. . . .
Gelb

Reseda (Färberwau, Weld engl.)
Farbe: Gelb
Farbstoff: Flavonoide (Luteolin, Glucoside, Apigenin, Isorhamnetin)
Beizenfarbstoff (15% Alaun, 6% Weinstein)
   A. Goeyer: 200% Reseda für 24–48 Stunden in weiches Wasser, das mit XY auf pH 4,5–5 angesäuert wurde, bei 40 Grad einweichen. So kann Reseda fermentieren. Dann 1 Stunde sieden, abseihen und 1 Stunde bei 70 Grad färben. Die Fasern gleich aus der Flotte nehmen, weil sie sonst braun werden.
   B. Wildcolours: 50–100% getrocknetes Reseda für 24–48 Stunden in Wasser einweichen. Dann 1 Stunde sieden, nicht über 80 Grad, abkühlen lassen und abseihen. Fasern in Sud 12 h ziehen lassen.
   C. Wildcolours: 600% frische Resedablätter und -blüten mit heissem Wasser überbrühen, 30 Min. sieden, abkühlen lassen und abseihen. Fasern in Sud 12 h ziehen lassen.
   Die Zugabe von 6% Calciumcarbonat beim sieden der Pflanze kann die Farbe intensivieren.
   Die Pflanzenteile im Wasser für mehrere Tage fermentieren lassen kann die Farbe intensivieren.
   Reseda funktioniert am besten auf Aluminium-Beize und man muss die Pflanze erhitzen. Die frische Pflanze macht klarere Farben als die getrocknete. Reseda hat eine gute Waschechtheit, verändert sich aber durch UV-Licht, es dunkelt nach. Alkalische Nachbehandlung produziert ein stärkeres Gelb auf Proteinfasern.

Rabarber
Blätter (giftig), Wurzel
Farbe: Gelb
Farbstoff: Tannine, Anthocyane ...
Direktfarbstoff
    Bei den Blättern Handschuhe tragen, sie sind giftig. 100% Blätter zugedeckt für 30 Min. simmern, abseihen, Fasern für 30 Min. zugedeckt bei 90 Grad sieden, über Nacht ziehen lassen, gut auswaschen.
    25–50% Wurzeln für 30 Min. sieden und abseihen. Für ein kräftiges Gelb die Fasern in der Flotte kurz auf 90 Grad erhitzen, abdrehen und über Nacht ziehen lassen. Für  Senfgelb die Fasern für 30 Min. bei 90 Grad sieden, über Nacht ziehen lassen, gut auswaschen.
    Über eine saure Nachbehandlung können dunkle Töne aufgehellt werden, mit einer alkalischen Nachbehandlungen wird Gelb corallenrot. 

Gerbersumach, Essigbaum
Blätter, Rinde, Triebe
Farbe: Gelb
Farbstoff: Tannine, Myricetin, Quercetin
Wird vorwiegend zum Vorbeizen verwendet

Echte Kamille
Farbe: Hellgelb
Farbstoff: Flavonoide (Luteolin, in geringen Mengen Apigenin und Quercetin)
Beizenfarbstoff
    Mindestens 200% getrocknete Kamillenblüten. Kontaktfärbung vermeiden, weil sehr kleinteilig. Es empfielt sich die Droge kurz auf 60 Grad erhitzen. Ein deutliches Färbeergebnis zeigt sich nur auf Seide, die mit Weinsteinrahm und Kalialaun vorgebeizt wurde.

Färberkamille
Farbe: Gelb
Farbstoff: Flavonoide (Myricetin, Quercetin, Isorhamnetin, Apigenin, Spuren von Luteolin) Beizenfarbstoff (20% Alaun)
    100–200% in Wasser ansetzen, 1 Stunde sieden, 1 Stunde siedend (90 Grad) färben. Die Lichtechtheit ist bei Baumwolle gut, bei Proteinfasern mäßig bis gering.

Narzissenblüte
Farbe: Gelb
Farbstoff: ?
Beizenfarbstoff (Alaun), besser auf Proteinfaser
    100% mit kochendem Wasser überbrühen und für min. 3 – 4 Tage ansetzen. So lange leicht erhitzen bis das Wasser intensiv gelb ist. Abseihen, die Flotte strecken, entweder 30 Min. bei niedriger Temperatur färben oder über mehrere Tage kalt färben.

Andere gelbfärbende Pflanzen:
Färber-Ginster, Goldrute, Mädchenaugen, Wurmkraut, (lila) Sommerflieder, Gelbholz (Färbermaulbeerbaum), Färbereiche (Quercitron)

Kurkuma (Rhizome)
Farbe: Goldgelb
Farbstoff: Diferuloylmethan (Curcumin, Demethoxycurcumin, Bisedementhoxycurcumin)
Beizenfarbstoff – Vorbeizen beeinflusst das Ergebnis nicht, macht die Farbe aber haltbarer
pH-Wert abhängig – wenn das Färbebad alkalisch ist (Umschlagsbereich pH 8–9) und über 70 Grad erhitzt wird, wird die Farbe braungelb.
    25–50% Kurkuma min. 12 Stunden ansetzen, bis es aufgelöst ist. Das Farbbad für eine Stunde auf 60–70 Grad halten und abkühlen lassen. Für einen leuchtend gelben Farbton mit Zitronensäure oder Essigessenz auswaschen. Das Milieu sollte unter pH 7 gehalten werden. Kurkuma färbt auch ungebeizten Stoff, ist so aber nicht waschecht.

Granatapfelschale
Farbe: grünliches Ockergelb / Braunrot bis Schwarz (mit Eisensalz)
Farbstoff: Flavonoide, Ellagictannine, wenige Anthocyane
Direktfarbstoff
     50–100% kleingeschnitte Schale, frisch (rot gereift) oder getrocknet (die Qualität von vorgetrockneten gekauften Schalen ist verlässlicher) für 30–45 Min. vorsieden, abseihen. Fasern für 30 Min. darin sieden, auskühlen lassen. Alternativ dazu die Fasern im Farbsud auf 90 Grad erhitzen, abschalten und 2 Tage ziehen lassen.

Safran (Narben)
Farbe: Orangegelb
Farbstoff: Carotinoide (Crocin, Crocetin, Carotin, Xanthophyll, Lycopin, Zeaxanthin)
Direktfarbstoff
    5–10% Safranfäden in kaltem Wasser 12 Stunden ansetzen, dann kurz aufkochen und für 30 Min. bei 70 Grad ziehen lassen. Auf 40 Grad abkühlen, mit den Fasern für 30 Minuten bei 70 Grad färben.

Orange

Sandelholz
Farbe: Braunrosa bis Orange
Farbstoff: Santalin
Direktfarbstoff
    Sandelholz muss nicht angesetzt werden. 50–100% Späne bei 70 Grad für 45–60 Min. vorsieden, abseihen. Fasern für 45 Min. bei 70 Grad färben, abkühlen lassen. Abschliessend mit Essigessenz oder Zitronensäure spülen.

Gelbe oder Rote Zwiebelschalen
Farbe: Gelb, Orange, Braungelb | Dunkelrot, Grün
Farbstoff: Flavonoide (Quercitin, Kämpferol)
Direktfarbstoff
    50–100% Schalen mit kochendem Wasser überbrühen, über Nacht ansetzen. 45 Min. bei 60–80 Grad vorsieden – über 80 Grad wird die Farbe braun. Abseihen, die Flotte strecken. Fasern im Sud 45 Min. um die 70 Grad heiß färben, 8 – 24 Stunden nachziehen.
     Es kann zwei bis drei mal gefärbt werden: von Gelborange (bei Überhitzung Braun) über Goldgelb zu Sonnengelb und Blassgelb (bei Überhitzung Hellbeige). 
     Quercitin ist das am wenigsten lichtstabile Flavonoid (Luteolin das stabilste), es kann innerhalb von Wochen ganz ausbleichen. Durch Zusatz von 1–2 % Kupfersalz zur Alaunbeize oder zum Färbebad, kann die Lichtechtheit verbessert werden (Harald Böhmer, Kökboya).

Annatto
Farbe: Orangerot
Farbstoff: Carotinoide (Bixin und Norbixin)
Direktfarbstoff
Beizen mit Alaun mindert die Farbkraft, Proteinfasern färben intensiver
pH-Wert abhängig – Bixin macht rot, ist nicht wasserlöslich, verstärkt sich durch saures Milieu – Norbixin macht gelb, löst sich in alkalisch wässriger Lösung.
     Vorbeizen sowie die Zugabe von Soda (alkalisch) verstärken den Gelbanteil und damit die Farbintensität. Andererseits wird die Farbe dunkler und stumpfer bei Zugabe von Zitronensäure. Die Samen werden unter Umrühren in heißem Wasser bis es schäumt gesiedet, dann das Färbegut zugeben und 1 Stunde sieden, auskühlen lassen.

Rot

Färberkrapp
Farbe: Rosa bis Bräunlichrot
Farbstoff: Anthraquinone (Alizarin)
Beizenfarbstoff – vorbeizen mit Alaun und ev. Weinstein
Die Wurzelstücke 24 Stunden bis 1 Woche in Wasser einweichen, dann eine Stunde bei 60–70 Grad konstant erhitzen, bevor gefärbt wird 12–48 Stunden ziehen lassen. Färbegut ins Farbad einfächern, eine Stunde bei 60 Grad sieden, 1–48 Stunden nachziehen lassen. Färberkrapp gibt langsam und kontinuierliche Farbstoffe ab. Durch das Vorbeizen mit Alaun entstehen rote Farbtöne, Weinsteinrahm macht die Farbe satter und dunkler, Eisensalze erzeugen bräunliche Nuancen.

Avocado
Schalen und Kerne
Farbe: Rosa
Farbstoff: Lutein, Carotinoid (Zeaxanthin) und Tannine
Färbt Proteinfasern – Baumwolle mit Sojamilch vorbehandeln (siehe 2 Beizen)
pH-Wert abhängig – alkalisch verstärkt den Rotanteil
Möglichst dunkle Schalen verwenden (Hass Avocado, kleine, dunkle Sorte mit dicker Schale, wenn die Schale einen Rotviolett-Stich hat), Schalen und Steine reinigen (waschen und kratzen, Fruchtfleisch trübt die Farbe), können frisch verarbeitet oder zum Sammeln eingefroren (vor allem die Steine) oder an der Luft getrocknet werden (nur die Schalen), je frischer umso frischer die Farbe, Schalen und Steine ca. eine Stunde auf kleiner Flamme auskochen, wenn die Wasserfarbe passt Schalen entfernen, Färbegut 8–24 Stunden ziehen lassen. Rotanteil bleicht mit Sonnenlicht aus.

Rinden wie Apfelbaumrinde oder Birkenrinde
Farbe: Rosa, Rotbraun, Braun, ...
Farbstoff: Tannine
Beizenfarbstoff
50% mit kochendem Wasser überbrühen und für 12 Stunden bis zu mehrere Wochen (zur Fermentierung, wodurch neue Farben entstehen können) ansetzen. Mit Wasser auffüllen, für 45–60 Min. auf 80 Grad erhitzen, abseihen. Holzspäne zurück behalten. Dann Fasern im Sud 45 Min. bei 80 Grad färben, in der Flotte auskühlen lassen.
    Rinden nicht über 80 Grad erhitzen, weil dadurch Tannine freigestetzt werden, die Farben stumpf machen. Manchmal reicht bereits der Auszug aus der angesetzten Rinde für eine 1. Färbung und man siedet mit frischem Wasser die Rinde für eine 2. Färbung. Rinden und Hölzer können für eine 2. und 3. Färbeflotte wiederholt für 45–60 Min. gesiedet werden.

Violett-Rot

Hibiskusblüten
Farbe: Magenta – Blau – Grün
Farbstoff: Anthocyane und ...
Direktfarbstoff
pH-Wert abhängig
200% getrocknete Blüten über Nacht in Wasser ansetzen, halbe Stnde sieden, auskühlen lassen, abseihen, dann färben. Der Farbstoff reagiert stark auf den pH-Wert der Umgebung und verändert sich beim Bügeln. Die Farbe wäscht sich stark in heissem Wasser aus.

Rote Rose
Farbe: Dunkelrot
Farbstoff: Anthocyane, Tannine

Rotebeete
Farbe: Rosa
Farbstoff: Betanine, Anthocyane
Direktfarbstoff
pH-Wert abhängig
Viel rote Beete klein schneiden und auskochen, gut abseihen. Der Farbstoff verschwindet mit der Zeit auch ohne die Einwirkung von UV-Strahlen.

Brombeere
Farbe: Rosa – Graublau
Farbstoff: Anthocyane und Tannine
Direktfarbstoff
Farbstoffe sind hitzeempfindlich, nicht über 60 Grad erhitzen

Rotkohl 
Farbe: Violettrosa – Eisblau – Hellgrün
Farbstoff: Anthocyane
Direktfarbstoff
pH-Wert abhängig – saurer hellt rötlich auf, alkalisch macht blau bis grün
Nur die dunklen Blätter geben Farbe ab, klein schneiden, über Nacht Pflanzenteile (und Färbegut) in Wasser ansetzen, die Blätter nicht zu lange, nicht über 80 Grad erhitzen, abseihen. Ähnlich wie mit Bohnen, aber klarere Töne.

Blau

Schwarze Bohnen
Farbe: Rotviolett – Lavendelblau – Blaugrün
Farbstoff: Anthocyane
Direktfarbstoff
pH-Wert abhängig – von Rot (sauer) über Violett und Blau zu Grün (alkalisch) und wieder zurück, bei zu hohem alkalischem Milieu (über pH 10) zersetzt sich der Farbstoff, er wird Gelb und kann nicht mehr wieder zurück in einen anderen Farbton gebracht werden.
Die Bohnen müssen für 8–48 Stunden in Wasser angesetzt werden, ihr Volumen vervierfacht sich dabei, anschliessend für 1 Stunde sanft sieden, damit wenig Schwebstoffe entstehen, möglichst viele Bohnen-Partikel abseihen, sie trüben die Farbkraft. 

Blauholzrinde
Farbe: Braunrot – Schwarzblauviolett bzw. Blaugrau
Farbstoff: Hämatein
Beizenfarbstoff – die Farbe wird über verschiedene Metallsalze beeinflußt
pH-Wert abhängig
    50% mit kochendem Wasser überbrühen und für 12 Stunden bis 5 Tage ansetzen. Mit Wasser auffüllen, für 15 – 20 Min. auf 80 Grad erhitzen, abseihen. Holzspäne zurück behalten. Dann Fasern im Sud 45 Min. bei 80 Grad färben, in der Flotte auskühlen lassen. Gut auswaschen, Blauholz kann abfärben.
    Rinden und Hölzer können generell für eine weitere Färbeflotte wiederholt für 45 – 60 Min. gesiedet werden. Rinden nicht über 80 Grad erhitzen, weil dadurch Tannine freigestetzt werden, die Farben stumpf machen.
    Beizen mit Alaun erzeugt Violett, Vorbeizen mit Weinstein oder Eisensulfat Blaugrau.
    Durch Oxidieren, vor dem Überbrühen das Holz über 6 – 8 Wochen feucht an der Luft lagern, läßt sich die Farbe intensivieren.

Indigo
Farbe: Blau
Farbstoff: Indican
Küppenfarbstoff
    1–2 TL Natriumcarbonat (Soda) in heissem Wasser auflösen und 2–3 TL Indigopulver einrühren. 9 Liter Wasser auf 50 Grad erhitzen, 25 g Dr. Beckmanns Intensiv Entfärber langsam und mit ruhigen Bewegungen einrühren. Je weniger Sauerstoff in die Küppe eingerührt wird um so länger färbt sie. 5 Min. stehen lassen, dann vorsicht die Indigomischung einrühren. Die Temperatur auf 50 Grad halten und 30–45 ziehen lassen, die Küppe muss sich leicht grün färben. Die Fasern vorsichtig untertauchen, 10 Min. färben, vorsichtig aus der Küppe ziehen, 10 Min. an der Luft oxidieren lassen und den Vorgang wiederholen bis die Farbintensität passt. Gut auswaschen.
    Zum Auffrischen kann bei Bedarf – wenn sich ein metallischer Film auf der Oberfläche bildet oder wenn die Küppe den Gelbton verliert und blau wird – etwas Entfärber nachgestreut werden und 10 Min. warten.

Indigigolupinie
Farbe: Blau, Grünbeige, Beige
Farbstoff: Indican, Luteolin
Eignet sich gut für Ecoprinting und Hapa Zome 

Grün

Karrottengrün
Farbe: Gelb – Grün
Farbstoff: Chlorophyll
Direktfarbstoff
    200% Pflanzenteile eine halbe Stunde sieden, kurzes Sieden ergibt einen frischen Farbton. Mit Metallsulfat nachbeizen ergibt Grün.

Frauenmantel, kurz vor der Blüte geerntet oder getrocknet
Farbe: Grüngelb (frisch, alle Teil), grünliches Ocker (Tee)
Farbstoff: Flavonoide, Tannine
Beizenfarbstoff (15% Alaun)
    400% frisches Material oder 100-200% getrocknetes für 6 Stunden ansetzen, 1 Stunde sieden, abseihen. Faser 60 Min. siedend färben, abkühlen lassen. 

Salbei
Farbe: Ocker
Farbstoff: ?
Beizenfarbstoff – färbt Proteinfasern wesentlich intensiver

Grüntee
Farbe: helles Ocker
Farbstoff: Tannine
Direktfarbstoff
Alaun oder Tara beeinflussen die Färbung nicht, färbt Proteinfasern etwas dunkler

Braun 

Rosmarin
Farbe: rötliches, gräuliches Beige – Braun
Farbstoff: Tannine
Direktfarbstoff
Zweige min. 12 Stunden vorher einweichen 
 
Schwarztee
Farbe: rötlich Dunkelbraun (Wolle, Seide) bis rötlich Beige (Baumwolle)
Farbstoff: Kondensierte Tannine
Direktfarbstoff, färbt Proteinfasern wesentlich stärker
    200% mit kochendem Wasser überbrühen, über Nacht ansetzen. Für 45 Min. vorsieden, abseihen, die Flotte mit Wasser zum Färben strecken. Fasern im Sud 60 Min. sieden, verdampftes Wasser nachfüllen, Fasern ab und zu bewegen. 12 Stunden nachziehen. Mit den Blättern in einem Filter kann auch direkt nach dem Einweichen gefärbt werden.

Roibostee
Farbe: Braun (Wolle, Seide) bis grünlich Beige (Baumwolle)
Farbstoff: Tannine
Beizenfarbstoff
Alaun färbt am intensivsten

Catechu, Färber-Akazie
Kernholz
Farbe: Braun
Farbstoff: Tannine

Henna
Farbe: Ocker bis Braun
Farbstoff: Lawson (2-Hydroxy-1,4-naphthochinon)
Färbt Proteinfasern – Baumwolle mit Sojamilch vorbehandeln (siehe 2 Beizen)
Das Färbematerial einen halben Tag in Wasser einweichen, dann kurz aufkochen, die Temperatur eine Stunde lang konstant bei 80 Grad halten. 45 Minuten das Färbegut bei 90 Grad färben: mit Alaun-Vorbeize hellorange, ohne Vorbeize braunrot. Um die Lichtechtheit zu verbessern, 2 % Kupfersalz zur Färbung.